The Windmill Massacre (2016) – Review

The Windmill Massacre

oder: Holland, Land der Windmühlen, Sünder und Massaker

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

The Windmill Massacre
Niederlande
85 Minuten
Nick Jongerius
Chris W. Mitchell, Suzy Quid, Nick Jongerius

Land der Hundertfüßer

Die Niederlande sind wahrscheinlich nicht die erste Nation, wenn man an Horror oder überhaupt an Filme denkt. Bei Fans des etwas abseitigeren Horrorfilms mag dies anders sein, denn diese dachten vielleicht sofort an Tom Six‘ The Human Centipede. Doch auch neben Ekel-Kino haben die Niederlande durchaus was zu bieten. Man denke nur an den hervorragenden Spoorlos.

Dass mir hier gerade ein Film aus den 80ern einfällt, zeigt aber auch wie es um meine Kenntnisse um das niederländische Horrorkino bestellt ist und wo ich mich demnächst etwas vertiefen werde.

Den Anfang für meine zukünftige Erkundung des Landes darf nun also The Windmill Massacre machen, ein Film irgendwo zwischen Jeepers Creepers, Flatliners und einem x-beliebigen Slasher.

 

Land der sündigen Touristen

Zu Beginn fand ich die Internationalität sehr ansprechend mit der der Film ins Geschehen einsteigt. Wir folgen kurzen Blitzlichtern diverser Schicksale von Menschen aus aller Welt durch die Gassen von Amsterdam, was mein Interesse durchaus wecken konnte. Schlussendlich finden Sie sich alle wieder bei Happy Holland Tours. Alle auf irgendeine Weise auf der Flucht. Vor sich selbst. Vor ihrer Vergangenheit. Ziel ist das ländliche Holland, das echte Holland, wie der Tourguide betont. Natürlich kommt der Bus nicht weit und unsere Flüchtlinge müssen sich in einer nicht ganz verlassenen Windmühle nicht nur ihrer Vergangenheit stellen.

Land der Windmühlen und Massaker

Nachdem ich nichts über den Film wusste, war mir zu Beginn auch nicht klar wohin die Reise gehen wird. Spätestens als mir Nick Jongerius und sein Team die erste deftige, komplett überspitzte Splatter-Szene präsentieren, weiß ich Bescheid. Ich stelle mich auf Schlachtplatte ein. Die handgemachten Effekte sind äußerst gelungen, wodurch sich durchaus Vorfreude breit machte.

Leider bekomm ich davon nicht mehr so viel zu sehen, dafür klassische POV-Shots aus dem Gebüsch und ein paar Wackelkamera-Farbfilter-Flashbacks, um mir die Protagonisten näher zu bringen. Dazu noch jede Menge Halluzinationen, die zwar gut in Szene gesetzt sind, aber ansonsten reichlich uninteressant, da sie der Story und dem Spannungsaufbau nicht wirklich zuträglich sind.

Allgemein leidet der Film sehr an seiner unausgefeilten Geschichte. Zudem wird die Schuld-und-Sühne Thematik derart bierernst in Szene gesetzt, dass leider für genügend Fremdscham gesorgt ist. Die Charaktere sind nicht viel mehr als Klischees und auch die Mythologie rund um den Bösewicht kommt leider viel zu kurz. Der Aushilfssensenmann ist einfach da und gut ist. Gerade in Verbindung mit dem buddhistischen Konzept der Unterwelt – welche mittels eines Charakters kurz angeschnitten wird – hätte man da sicher einiges machen können. Das Drehbuch lässt dies leider links liegen.

Ähnlich verschenktes Potential auch beim Setting. Die Kulisse wäre super, wenn man davon was sehen würde, aber so haben wir über weite Strecken einen dunklen Wald und das war‘s.

The Windmill Massacre ist dabei sicherlich kein absoluter Reinfall. Das geringe Budget sieht man dem Film oft nicht an. Die Kameraarbeit ist gut gelungen und von den wirklich gelungenen Effekten hätte ich einfach gerne mehr gesehen. Auch der Genremix weiß durchaus zu gefallen und macht den Streifen weniger vorhersehbar. Es gibt also einiges was man an dem Film mögen kann. Unterm Strich gleicht das die Mängel aber leider nicht aus, wodurch ich keine Empfehlung aussprechen würde.

Bewertung

SpannungRating: 2 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: The Windmill Massacre © XLrator Media

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Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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