Green Room (2015) – Review

Green Room

oder: der vor Angstschweiß triefende Sprung in den Nazi-Moshpit.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Green Room
USA
95 Minuten
Jeremy Saulnier
Jeremy Saulnier

Volle Breitseite Subkultur

Mit Green Room liefert Regisseur Jeremy Saulnier seinen dritten Spielfilm ab und den Ersten nach seinem Durchbruch mit dem zu Recht hochgepriesenen Blue Ruin. Nachdem sehr unkonventionellen Rachethriller taucht Saulnier, der auch wieder das Drehbuch zum Film schrieb, in die Welt von Punkrock und Nazi-Skins ein. Der Film atmet förmlich Subkultur und sondert einen stechenden, grünen Schweiß ab.

Zu Beginn folgen wir aber erst einmal unseren Protagonisten der Punkrock-Gruppe „The Ain’t Rights“ auf ihrer Suche durch die Einöde von Oregon nach einem Gig, der ihnen etwas Geld einbringt. Knapp bei Kasse lassen sie sich schließlich überzeugen vor einer Gruppe Boneheads aufzutreten. Dies funktioniert sogar besser als man sich das vielleicht vorstellen mag – allerdings nur so lange bis ein dummer Zufall die Protagonisten in ein lebensgefährliches Katz-und-Maus-Spiel verwickelt.

Backwood Horror: durchgelüftet und geerdet

Jeremy Saulnier hat mit seinem Survival-Horror-Thriller einen meiner Lieblings-Genre-Filme 2016 geschaffen. Am meisten beeindruckte mich dabei wie unglaublich frisch der Regisseur das schon etwas modrige Backwood-Genre wirken lässt.

Dies liegt nicht nur an der äußerst charismatischen Nazibande rund um Naziboss Darcy und Nazibuden-Manager Gabe gespielt von Patrick Stewart (Star Trek, X-Men) und Macon Blair (Blue Ruin). Insbesondere die intensive, wenn auch sehr ruhige Performance von Stewart verleiht dem Antagonisten eine wahrlich schauderhafte perfide und dennoch beruhigend bodenständige Präsenz. Doch ein Horrorfilm steht und fällt nicht nur mit seinen Gegenspielern, sondern auch mit den Identifikationsflächen und auch hier beweist Saulnier ein Händchen für den Cast. Besonders die von Imogen Poots (28 Weeks Later) dargestellte Amber hat mich schwer beeindruckt. Allgemein ist es wie bei Blue Ruin schön zu sehen, dass der Regisseur wieder Platz für Graustufen lässt bei seinen Charakteren und ihnen auch Raum gibt sich zu entwickeln. Dadurch fällt es einerseits leichter mit den Charakteren mitzufühlen und andererseits erhöht dies einfach auch die Intensität des Gezeigten.

Green Room

Imogen Poots als Amber

Bodenständig ist im Zusammenhang mit Green Room allgemein ein gutes Stichwort – neben abgefuckt, ranzig und garstig. Saulnier driftet nie in überspitzte Gewaltexzesse ab, weil er diese auch einfach nicht nötig hat, denn gerade dramaturgisch ist diese kleine Perle geschickt spiralförmig aufgebaut. Wir ziehen unsere Kreise, wagen mit unseren Protagonisten unterschiedliche Fluchtwege, nur um immer wieder in den Green Room zurückzukehren. Um Luft zu schnappen nach der letzten Gewaltspitze. Doch die Luft wird immer abgestandener, die Neonazi-Schmierereien nehmen immer mehr Überhand und Saulnier zieht die Spannungsschraube schonungslos an.

Es ist diese zu einem großen Teil zurückhaltende Grundhaltung, die ihn von seinen Genre-Kollegen abhebt. Zurückhaltend was die handelnden Personen auf beiden Seiten, die Gewaltspitzen und selbst das große Finale angeht. Dies verleiht dem Film eine gewisse Erdung, die sich wunderbar mit der abgefuckten Location und der ranzigen Atmosphäre verträgt.

So verschanzen wir uns im Green Room und hoffen, dass wir es lebendig rausschaffen, denn Saulnier macht keine Gefangenen und das Ende ist nicht absehbar. Bleibt nur eine letzte Frage offen: Was ist eure Einsame-Insel-Band?

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Green Room © A24

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Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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