#135: Baskin (2015) – Review

Baskin

oder: ein untypischer türkischer Höllenritt

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Baskın
Türkei
97 Minuten
Can Evrenol
Can Evrenol, Ogulcan Eren Akay, Ercin Sadikoglu, Cem Özüduru

Auf dem Weg zur Hölle

Fünf türkische Polizisten sind während ihrer Nachtschicht unterwegs als sie ein mysteriöser Notruf ereilt. Sie werden zu einem abgelegenen, verlassenen Gebäude gerufen über das sie die Tore zur Hölle betreten.

 

Der internationale, türkische Horrorfilm

Baskin basiert auf dem Kurzfilm gleichen Namens, den der Regisseur Can Evrenol 2013 veröffentlichte. Baskin ist der erste türkische Horrorfilm, der weit über die nationalen Grenzen für Aufsehen sorgte und zum Beispiel der erste türkische Horrorfilm der beim Midnight Madness auf dem Toronto International Film Festival gezeigt wurde. Dies liegt aber nicht daran, dass das türkische Horrorkino quasi nicht vorhanden wäre und von Evrenol zum Leben erweckt wurde. Ganz im Gegenteil herrscht hier seit gut 10 Jahren sehr reger Betrieb, was über die Landesgrenzen hinaus kaum bekannt ist. Nachdem ich vor Baskin auch keinen einzigen türkischen Horrorfilm kannte, nahm ich diese Filmkritik zum Anlass mir die Türkei etwas genauer anzusehen. Das Ergebnis könnt ihr hier nachlesen.

Dass ausgerechnet Baskin den Schritt über die Landesgrenzen schaffte, mag an der Herangehensweise des Regisseurs liegen. Sind die anderen türkischen Horrorfilme sehr in ihrer türkisch-islamischen Welt verhaftet, versucht Evrenol seine internationalen Inspirationsquellen wie The Descent, Quest for Fire, Event Horizon, Hellraiser oder grundsätzlich Carpenter, Cronenberg, Fulci, Lynch und Miike mit der türkischen Kultur und der gesellschaftlichen Situation zu vereinen. Hinzu kommt noch, dass der Film auf Grund des Erfolges des Kurzfilmes schon für ein internationales Publikum produziert wurde und daher nicht auf mögliche Zensurmaßnahmen in der Türkei geachtet wurde.

 

Warum ich Baskin liebe

Manche mögen sich wundern was Baskin hier verloren hat. Weisen das Drehbuch sowie besonders die Charakterentwicklung grobe Schwächen auf über die sich doch nur schwer hinwegsehen lassen. Die Protagonisten geben doch nahezu Null Identifikationsfläche ab und die Mythologie hinter der Bedrohung ist einfach zu flach, um diesen Makel mit genügend Faszination wettmachen zu können.

Das ist vollkommen richtig, aber manche Filme erzeugen aus ihrer bezaubernden Atmosphäre einen dermaßen starken Sog, dass man sich ihnen nur sehr schwer entziehen kann. Gerade das europäische Horrorkino der 70er und 80er scherte sich über weite Strecken herzhaft wenig um stringente Storylines und ausgefeilte Charaktere. Bei Argento, Bava, Rollin und Fulci stand die Atmosphäre im Vordergrund – und ich liebe sie alle – naja, gut, Rollin nicht ganz so sehr.

Baskin

Frösche als Vorboten der Hölle?

Can Evrenol geht mit Baskin zwar ganz andere Wege, aber dennoch steht die Höllenvision und die dadurch erzeugte Atmosphäre ganz im Mittelpunkt – und diese ist wahnsinnig gut gelungen.  Die Inszenierung ist sehr hochwertig, unglaublich, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um ein Debüt handelt und wie wenig Budget zur Verfügung stand. Zudem ist auch das Set Design unheimlich detailliert und einfach nur albtraumhaft schön. Ich könnte mich stundenlang darin verlieren auf der Suche nach immer neuen Details. Die dadurch kreierte Atmosphäre wird nach einmal besonders gestützt durch die hervorragende Präsenz des Laienschauspielers Mehmet Cerrahoglu. Ein Vergleich mit Michael Berryman liegt nahe und ist durchaus gerechtfertigt.

Dem Regisseur ist mit Baskin einfach eine intensive Höllenfahrt gelungen, wie man sie sonst nur selten zu sehen bekommt. Und wie oben schon angesprochen ist der Film für einen türkischen Horror zudem sehr untypisch. Religion oder schwarze Magie spielen keine große Rolle, ebenso haben wir auch keine bösen Geister oder Dämonen, die bösen Sünderinnen nach dem Leben trachten. Dazu noch eine eher fragwürdige Darstellung der Polizei.

Ich hoffe daher sehr, dass Baskin für das türkische Horrorkino wegweisend war und wir in Zukunft mehr Filme dieser Art genießen dürfen. Von Can Evrenol das nächste Mal dann auch mit einem etwas ausgefeilteren Drehbuch vielleicht. Wenn nicht, auch nicht so schlimm.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
GewaltRating: 3 von 5
Ekelrating3_5
StoryRating: 1 von 5

Bildquelle: Baskin © XYZ Films

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Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

2 Kommentare

  • ich habe ihn vor einiger zeit im amazon streaming portal ‚Home of Horror‘ gesehen und war überrascht und schwer begeistert…gar nicht zu glauben: ein blutiges Horrorwerk aus der Türkei!

    • Terror-Floh

      Ja, die Türkei ist nicht unbedingt für gute Horrorfilme bekannt, da hatte mich Baskin auch überrascht.
      Letztes Jahr kam Can Evrenols nächstes Horrorwerk raus: Housewife. Hatte ich aber leider noch nicht die Gelegenheit zu sehen.

...und was meinst du?