The Boy (2016) – Review

The Boy

oder: mit einer Hand voll Regeln gegen gruselige Puppen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

The Boy
USA, China
97 Minuten
William Brent Bell
Stacey Menear

Inhalt

Die junge US-Amerikanerin Greta nimmt einen Job als Kindermädchen bei der englischen Familie Heelshire an. Es stellt sich allerdings heraus, dass es sich beim Sohn des Ehepaares, Brahms, um eine Porzellanpuppe handelt, die ein reges Eigenleben zu führen scheint.

 

Kritik

Das Setting für The Boy ist für das Genre relativ klassisch. Wir haben Greta, gespielt von Lauren Cohan (The Walking Dead), alleine mit einer gruseligen Puppe in einem abgelegenen, verwickelten, alten Herrenhaus. Das Ganze ist dann auch mit Versatzstücken und Klischees bestückt, die man genauso erwarten würde. Die Eltern geheimnisvoll, die Dielen knarzend, die Türen quietschend und alles scheint sich so ein bisschen von selbst zu bewegen – ganz besonders der gute Brahms.

Zu Beginn passt das auch wunderbar. Das große Herrenhaus ist eine wunderbare Kulisse und die Puppe für Brahms gut gewählt, sodass durchaus eine gruselige Stimmung aufkommt. Leider tritt der Film hier auf der Stelle. Aus den unheimlichen Geschehnissen wird keine Gefahr. Eine Bedrohung ist zu keiner Zeit spürbar. Hier ist die Inszenierung einfach zu harmlos, um wirklich Spannung und Schrecken erzeugen zu können.

The Boy (Lauren Cohan)

Erschwerend kommt noch hinzu, dass die zwei Hauptcharaktere, Greta und der von Rupert Evans gespielte Malcolm, vollkommen hohl sind. Cohan und Evans wird vom Drehbuch leider kaum etwas in die Hand gegeben mit dem sie ihre Rollen mit Leben füllen könnten. Was ein nicht zu vernachlässigendes Problem ist, da sie fast den gesamten Film alleine tragen müssen.

Nachdem die Auflösung und das Finale nicht wirklich was hergeben, hat man Zeit sich über andere Dinge Gedanken zu machen. Zum Beispiel Gretas Vorgeschichte rund um einen gewalttätigen, stalkenden Exfreund und ein verlorenes, ungeborenes Kind, denn diese lassen sich durchaus mit der Beziehung zwischen Greta und Brahms in Verbindung setzen. Zum einen kann man Brahms als eine Verkörperung der Missbrauchsbeziehung lesen. Sie fühlt sich ständig beobachtet und fragt Brahms an einer Stelle:

You wouldn’t hurt me. Would you, Brahms?

Eine Beziehung sollte für Sicherheit und Geborgenheit sorgen. Missbrauchsbeziehungen bewirken allerdings das komplette Gegenteil. Sie lebt in der ständigen Unsicherheit, ob von Brahms nicht doch eine Gefahr ausgeht.
Zum anderen verkörpert Brahms aber auch ihr ungeborenes Kind, das sie verloren hat.

Hier kommen durchaus interessante Aspekte zum Tragen, die das Drehbuch so vielleicht gar nicht beabsichtigt hat und wenn schon dann dem auf jeden Fall zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Daraus hätte man einen wundervollen psychologischen Horror machen können, was schlussendlich daraus wurde, führt den gesamten Gedanken leider ad absurdum.

Es bleibt ein Film mit viel Potential, der so ziemlich jedes Fettnäpfchen mit Anlauf mitnimmt, dass er finden kann. Schade drum, aber für Fans von Puppen-Horror sicher trotzdem ein Blick wert.

Bewertung

SpannungRating: 2 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
GewaltRating: 1 von 5
EkelRating: 0 von 5
StoryRating: 1 von 5

Bildquelle: The Boy © Capelight Pictures

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Preis: EUR 6,97
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Terror-Floh

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Der Terror-Floh gehört zur Gattung der blutsaugenden Vampire. Er hält sich bevorzugt in der Nähe von Zombies, Werwölfen und Hexen auf. Beliebte Nistplätze sind verfallene Gemäuer, unheimliche Wälder und Sommercamps.
Durch seine parasitäre Lebensweise eignet sich der Terror-Floh auch hervorragend als Haustier. Er ist sehr anhänglich, benötigt keine weitere Fütterung und befällt bei Bedarf auch unliebsamen Besuch.
Terror-Floh

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2 Kommentare

  • Der Film „The boy“ war lange Zeit langweilig. Das schockierndste waren in dieser Phase nur die überlauten Akkustik-Kracher, bis hin zum Herzinfarkt-Risiko. Um die zumeist leise Sprache der Akteure überhaupt zu verstehen, mußte die Lautstärke extrem hochgefahren werden, was dann zu den oben benannten Geräusche-Schocks führte. Wenigstens bei mir, der ich vielleicht auch ein schreckhafter Typ bin. Akkustik schlägt also hier Optik, was mich auf der Couch echt hochschleuderte.
    Habe darüber hinaus oft den Eindruck, daß Sprach- und Geräuschpegel nicht gleichgeschaltet sind. Warum eigentlich sollen Dialoge das „Ton-Stiefkind“ bleiben ? Ähnliches geschieht auch generell bei der Werbung + bei einigen TV-Serien: Sprache verblaßt bei begleitenden wie Zwischendurch-Geräusch- wie Musikexplosionen. Jedesmal muß ich schnell leiser machen, weil mir das so auf den Senkel (?) geht.
    Oder sind wir gar ein Volk von Schwerhörigen, dies es nicht stört – sogar noch toll findet ? ? Ja, das ist es wohl: Entweder bin ich da zu schreckhaft oder empfindlich oder andere sind zu schwerhörig ? Wie seht ( bzw. hört 😉 ) ihr das denn ?
    Entschuldigt bitte den langen Exkurs, aber endlich konnte ich mich mal voll „ausmisten“. Der Film wurde so ab der Mitte deutlich spannender. In seiner Schluß-Phase steigerte sich nochmals die Spannung + das Geschehen war schon beeindruckend. Nur blieb schließlich für meine Frau + mich zu vieles rätsel-schleierhaft. Schade, für einen ansonsten insgesamt guten Film …

    • Hi Harry,

      stimme dir bzgl. des Abmixens des Tons voll zu. Hier wird oft versucht fehlende Qualität zu vertuschen.

      Da du die Problematik aber gerade auch bei vielen unterschiedlichen Formaten ansprichst, könnte es auch an der Technik liegen. Gerade bei DVDs/BDs liegt der Ton ja als Surround-Sound vor, wenn dieser dann über Stereoboxen ausgegeben wird, klingt das nach einem riesigen Matsch bei dem vor allem die Dialoge kaum mehr wahrnehmbar sind. Also hier wenn möglich auf auf eine Stereo-Tonspur umschalten oder sich ein entsprechendes Equipment zulegen. Soundbars schaffen hier mitunter schon einiges. Dies auch nur als kleiner Exkurs 🙂

      Der Film zieht mit Ende an, das stimmt, aber wirklich packen, konnte er mich auch da nicht. Wirklich schade.

...und was meinst du?