#136: Formicula (1954) – Review

Formicula

oder: atomare Riesenameisen zum Verlieben.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Them!
USA
94 min
Gordon Douglas
Ted Sherdeman

Inhalt

Durch Atombombentests in New Mexico wachsen die dortigen Ameisen zu monströser Größe an. Was, wie man sich denken kann, ein paar Probleme nach sich zieht.

 

Hintergründe

Formicula gilt als der erste Vertreter der sogenannten „Big Bug Movies“ einem Subgenre der „Creature Features“ und war stilbildend für das gesamte Genre.

Aber erst einmal zum Start. „Creatures Features“ umfassen erst einmal alle Monsterfilme. Meistens spricht man dabei von den Universal Monsters der 20er und 30er sowie den Hammer Films der 50er und 60er mit ähnlichen Protagonisten wie Frankenstein, Dracula oder der Mumie. Aber auch die japanischen Riesenmonsterfilme wie Godzilla und Gamera oder die ganzen Monsteraliens aus 50er Sci-Fi-Horrorfilmen.

Selbstverständlich ist dieses Genre nicht auf diese Punkte beschränkt, es gab davor, dazwischen und danach immer Monsterfilme, aber die angesprochenen Produktionen haben das Genre am Stärksten geprägt. Und ein weiterer wichtiger Baustein waren eben die Big Bug Movies der 50er.

Atombombentest

Atombombentest 1954 auf dem Bikini-Atoll

Diese Filme verdanken wir in erster Linie der Entwicklung von Kernwaffen in den 40ern. Insbesondere durch die zwei Atombombenabwürfe der USA auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki 1945 wurden der Welt die unfassbare zerstörerische Kraft von Atombomben vor Augen geführt. Vor allem wurden auch deren Langzeitschäden und der Einfluss auf Mensch und Natur mit großer Skepsis und Angst betrachtet. Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Films gab es schon 11 Atombombentests fast ausschließlich durch die USA, was die Bevölkerung beunruhigte insbesondere auch in Anbetracht des kalten Krieges.

Und das wurde natürlich von Künstlern aufgenommen und verarbeitet. Bei Formicula wird auch eindeutig darauf Bezug genommen, wie ich im Eingangszitat schon dargelegt habe. Die Filme beschränken sich allerdings nicht auf Radioaktivität, sondern beziehen sich allgemein auf die Verantwortung, die mit technischem Fortschritt einhergeht. Oftmals sind es auch chemische Abfälle, die zu Mutationen bei den lieben Kleinen führen. Dahinter versteckt sich allerdings in den meisten Fällen keine Wissenschaftsfeindlichkeit, denn meistens sind es dann auch die Wissenschaftlerinnen, die die Welt retten.

Auf Formicula folgte ein Jahr später der sehr bekannte und auch sehenswerte Tarantula mit einer Riesenspinne. Wir bekamen es dann noch mit Skorpionen, Heuschrecken, Wespen, Gottesanbeterinnen, aber vor allem mit Spinnen, Spinnen und noch mehr Spinnen zu tun.

Auch wenn das Subgenre seinen Höhepunkt hinter sich hat, so dürfen wir uns auch hin und wieder heute noch daran erfreuen, wie z.B. an Arac Attack oder Blutgletscher.

 

Warum ich „Formicula“ liebe

Wenn man diesen Film schaut, muss man sich vor Augen führen, dass er über 60 Jahre auf dem Buckel hat. 1955 gab es für die Effekte der Ameisen noch eine Oscar-Nominierung, heute werden es die Ameisenpuppen nicht mehr schaffen jemanden um den Schlaf zu bringen. Wer allerdings auf Monsterfilme steht und auch ohne aufwendiges CGI leben kann, wird hier voll bedient.

Formicula hat viele wahnsinnig schaurig-schöne Szenen zu bieten. Allein schon die Anfangssequenz wie ein kleines Mädchen, völlig apathisch, mit ihrer kaputten Puppe durch das Ödland wandert, ist atemberaubend und gibt die Tonalität vor. Aber auch der Ameisenbau oder die Kanäle von Los Angeles sind wundervoll eingefangen. Die Settings, vor allem mit dem Wüsten-Flair, sind grundsätzlich sehr gut gelungen.

Formicula

Zudem ist auch die Narration äußerst innovativ, auch wenn das heutzutage nachdem sie tausendfach kopiert wurde nicht mehr so erscheinen mag. Formicula verzichtet sehr lange darauf seine Monster zu zeigen, sondern zeigt nur Spuren des Todes und der Zerstörung. Dazu kommt noch dieser hohe Ton, den die Ameisen von sich geben. Wunderbares Sounddesign. Dadurch schafft es Regisseur Gordon Douglas sehr gut Spannung aufzubauen.
Auch beim Ende achtet Formicula nicht wirklich auf die damals geltenden Konventionen, aber mehr soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden.

Formicula kann außerdem mit tollen Charakteren aufwarten. Vor allem auf Seiten der Wissenschaft macht das Vater-Tochter-Gespann, gespielt von Edmund Gwenn und Joan Weldon, einen hervorragenden Job. Ich genieße es einfach jedes Mal aufs Neue, wenn die Zwei aufgeregt und geheimnistuerisch von Tatort zu Tatort durch die Wüste stapfen und die Polizei ratlos hinterher. Vor allem schätze ich es auch sehr, dass die von Joan Weldon gespielte Dr. Patricia Medford immer an vorderster Front steht und nicht nur als Assistenz ihres Vaters dargestellt wird. Das verleiht dem Gespann einfach noch einmal mehr Qualität. Alle Trekkies dürfen darüber hinaus Leonard Nimoy in einer sehr kleinen Rolle bewundern.

Für Fans von alten Horrofilmen, insbesondere Monsterfilmen, ist Formicula ein Fest, den ich erst gar nicht empfehlen muss, weil sie ihn mit Sicherheit schon gesehen haben. Aber auch allen anderen, die bei Schwarzweißfilmen nicht sofort schreiend davon rennen, kann ich Formicula nur ans Herz legen, da er mit seiner in Schwarzweiß getauchten Wüstenlandschaft, den Sandstürmen und dem schauerlichen Sounddesign eine wunderbar bedrohlich-schräge Atmosphäre heraufbeschwört, die man in der Form selten erlebt.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
GewaltRating: 1 von 5
EkelRating: 0 von 5
StoryRating: 4 von 5

Bildquelle: Formicula © Warner Bros.

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Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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