Don’t Breathe (2016)

Don't Breathe

oder: Luft anhalten für Fortgeschrittene.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Don’t Breathe
USA
88 min
Fede Alvarez
Fede Alvarez, Rodo Sayagues

Inhalt

Die drei jungen Erwachsenen Rocky, Money und Alex halten sich mit kleineren Einbrüchen über was Wasser und träumen davon irgendwann der chicagoer Tristesse zu entkommen. Die Flucht in ein besseres Leben in Kalifornien scheint zum Greifen nah als Money von seinem Hehler den Tipp kriegt, einen reichen, blinden Kriegsveteranen zu bestehlen. Doch das vermeintliche Opfer ist mehr als es zu sein scheint.

 

Hintergründe

Der Regisseur Fede Alvarez reagierte mit Don’t Breathe auf einige Kritiken an dem Remake von Evil Dead, welches einige grundsätzlich doof fanden, weil Remake oder es zu brutal und schockierend sei. Daher wollte er bei seinem zweiten Film mehr die Spannung in den Vordergrund stellen.

Alvarez und Drehbuchautor Rodo Sayagues lag viel daran etwas Originäres und Außergewöhnliches zu machen. So wird der klassische Home-Invasion-Horror umgedreht und es sind die Einbrecher mit denen wir sympathisieren sollen. Zudem ist auch die menschenleere Vorstadt-Gegend ein eher selten verwendetes Setting.

 

Kritik

Fede Alvarez

Fede Alvarez

Schon als der Film letztes Jahr noch unter dem Namen A Man in the Dark vorgestellt wurde, hat mich allein die sehr grobe Inhaltsangabe und der Name Fede Alvarez überzeugt, dass der Film auf die Liste meiner meist erwarteten Horrorfilme 2016 muss. Inzwischen wurde der Film in Don’t Breathe umbenannt und hat einen immensen Hype erlebt.

Ich mochte den Arbeitstitel sehr, jedoch Dank der Umbenennung ist der Name Programm. Nicht nur, dass die ProtagonistInnen gut beraten sind möglichst lautlos zu Sauerstoff zu kommen, sondern auch ich habe mich ein paar Mal mit angehaltenem Atem erwischt.

Dies hat mehrere Gründe und einer davon ist, die tolle Einleitung, welche dazu führt, dass wir uns mit den Akteuren identifizieren. Äußerst knackig bringt uns Alvarez die handelnden Personen näher. Dies geschieht zwar nicht völlig klischeefrei, aber durch und durch sympathisch. So ist es vor allem die einfühlsame und zurückhaltende Rocky, die mit ihrer kleinen Schwester ihrem White-Trash-Zuhause entkommen will, mit der man nur zu gerne mitfiebert. Als Kontrapunkt dient ihr rüpelhafter Freund Money, der seinen Klassenkampf dadurch austrägt auf die Teppiche seiner reichen Mitmenschen zu pissen.

Don't Breathe

Detroit (Bild: Trailer)

Es sind auch diese anfänglichen Minuten in denen wir noch ein paar Blicke auf das verfallene Detroit werfen dürfen. Auch wenn der Film es nicht sonderlich zum Thema macht, so ist Detroit als ehemalige blühende Metropole der Automobilindustrie, ein spannender Kontext in den die Geschichte gesetzt wird. Auf die großen Gebiete an leerstehenden Industriekomplexen und Wohngebieten, die sich im Zuge des Niederganges der Stadt mehrten, konzentriert sich Don’t Breathe. Zwischen heruntergekommenen Häusern und kaputtem Asphalt gibt es auch für unsere drei jungen ProtagonistInnen nichts zu holen. Wer weg konnte, ist längst schon weg. Es scheint kein Zufall zu sein, dass sie schlussendlich auf eine weitere von der Gesellschaft zurückgelassene Person treffen.

Mit einigen wenigen, eindrucksvollen Einstellungen schaffen es Alvarez und Sayagues in kurzer Zeit eine eindringliche Stimmung zu erschaffen ohne dabei in ein Sozialdrama abzudriften, denn die Marschrichtung ist eindeutig und es soll nicht viel Zeit verloren werden.

Denn schnell befinden wir uns im Haus des blinden Opfers und werden es so schnell auch nicht wieder verlassen. Hier fiel mir dann auch zum ersten Mal Pedro Luques virtuose Kameraarbeit auf. Zeitgleich mit dem Einbruch in das Haus geht die Kamera auf Entdeckungsreise. Sie schwebt durch Gänge, durchdringt Wände, Decken und nimmt auch einzelne Gegenstände genau unter die Lupe. Nachdem wir unsere drei Hauptcharaktere und Detroit kennen lernen durften, stellt uns Alvarez nun einen weiteren wichtigen Akteur vor: das Haus. Und es ist einfach nur wunderschön. Dunkel mit staubig einfallendem Licht. Muffig. Verwinkelt. Verwirrend. Erdrückend.

Bevor wir allerdings in den zweiten Akt starten können, darf noch eine letzte Einführung nicht fehlen: der Antagonist. Schon wenn Stephen Lang das erste Mal in seiner Rolle als blinder Veteran die Bildfläche betritt, ist seine Präsenz atemberaubend. Großes Lob an das Casting.

Don't Breathe

Ab diesem Zeitpunkt beginnt dann auch die Atmung auszusetzen. Die körperliche Anspannung wird man erst dann merken, wenn Alvarez seinem Publikum kurze Momente zum Durchatmen gönnt. Dazwischen versucht man gemeinsam mit den Charakteren lautlos abzuwägen. Ein falscher Schritt, eine knarrende Diele. Tod. Einmal zu viel gezögert, den richtigen Moment verpasst. Tod. Alvarez beherrscht das Katz-und-Maus-Spiel auf engstem Raum perfekt. Die Kameras sind grandios platziert und der wundervolle Score von Roque Baños weiß damit geschickt umzugehen.

Wenn das Gezeigte droht zu repetitiv zu werden, schafft es Alvarez immer wieder mit einigen durchaus garstigen Wendungen wieder Schwung reinzubringen. Auch wenn er zum Schluss dann doch die eine oder andere Volte zu viel schlägt.

Abschließend bleibt festzustellen, dass Don’t Breathe dem Hype in meinen Augen gerecht wird. Wie man schon im Remake von Evil Dead erkennen konnte, so versteht es Alvarez geschickt mit den Elementen des Genres und den Ängsten des Publikums zu spielen. Besonders spannend fand ich auch, dass versucht wurde die Charaktere wenig Schwarzweiß zu malen. Es ist immer möglich die Aktionen von allen Beteiligten bis zu einem gewissen Grad nachzuvollziehen. Dies verleiht dem Gesehenen noch einmal einen realistischeren Touch.

So bleibt ein Film der Gelegenheitsgucker wie auch Horrorfans begeistern können wird. Von mir also auf jeden Fall eine Empfehlung und von Fede Alvarez darf man sich definitiv noch Großes erwarten.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
SplatterRating: 0 von 5
EkelRating: 1 von 5
StoryRating: 3 von 5

Bildquelle: Don’t Breathe © Sony Pictures

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